loigineGustave Courbet

Gustave Courbet (*10. Juni 1819 in Ornans; † 31. Dezember 1877 in La-Tour-de-Peliz/Schweiz) war ein französischer Maler, der heute als Hauptvertreter des Realismus gilt.

Herkunft und frühe Jahre

Courbet wurde in dem kleinen Dorf Ornans, in der heutigen Region Franche-Comté im ostfranzösischen Jura geboren. Er stammte aus gutbürgerlichem Hause und seine Familie war dank des bedeutenden Grundbesitzes sehr wohlhabend.

Courbet begann seine künstlerische Ausbildung bereits 1833, mit 14 Jahren bei dem Meister Père Baud, einem Professor und Schüler von Gros in seinem Heimatdorf Ornans. Nach drei Jahren beendet er diese, um auf Wunsch seiner Eltern am Collège Royal in Besançon Jura zu studieren. Doch bereits nach einem Jahr begann Courbet sich mehr seiner großen Leidenschaft, der Kunst zu widmen und nahm erneut Zeichenunterricht bei Charles Antoine Flajoulot.

Dennoch zog der 20-jährige Courbet 1840 nach Paris, um dort weiter Jura zu studieren. Doch auch hier widmete er sich mehr der Kunst und verbrachte seine Zeit mehr im Louvre, wo er die Werke großer Meister wie Rembrandt, Hals, Rubens, Caravaggio oder Tizian studierte. In der „spanischen Galerie“ des französischen Bürgerkönigs Louis Philippe entdeckte er zudem seine Leidenschaft für die Werke großer spanischer Meister wie Velásquez oder Zurbaran.

Bereits ein Jahr später, 1841, widmete sich Courbet nur noch der Malerei und versuchte in den Jahren 1841 bis 1847 – größtenteils erfolglos – seine Werke auf der bedeutenden höfischen Kunstausstellung Pariser Salon ausstellen zu lassen. In dieser Zeit wurden jedoch nur drei seiner 20 Werke angenommen. Während seiner gesamten Jugendjahre wurde Courbet finanziell von seiner Familie unterstützt, der er sein ganzes Leben lang sehr verbunden blieb, und die er in vielen seiner späteren Werke verewigte.

Der „Tempel des Realismus“ und frühe Meisterwerke

Courbet hatte in der Zwischenzeit sein eigenes Atelier in Paris eröffnet. Nahe der Brasserie Andler, von dem Kunstkritiker Jules Champfleury als „Tempel des Realismus“ bezeichnet, traf er sich regelmäßig mit anderen Intellektuellen und Künstlern wie Charles Baudelaire, Pierre-Joseph Proudhon oder Max Buchon. Die Brasserie gilt heute als Wiege der realistischen Kunst.

Courbets Gemälde zeichneten sich in diesen Jahren durch ihre Einfachheit aus. Der Junge Künstler malte häufig Szenen aus dem Alltag, Portraits seiner Familie oder Szenen aus seiner Heimat Ornans. Vor allem Ein Begräbnis in Ornans gilt als eines seiner Meisterwerke.

Obwohl Courbet heutzutage häufig nachgesagt wird, seine Werke getreu dem Motto „L’art pour l’art“, also der reinen Kunst willen, gemalt zu haben, wurden sie gerade während dieser Jahre häufig falsch interpretiert und Courbet wurde gerade vom neuen bürgerlichen Regime nach der Abdankung Louis Philippes des Öfteren kritisch beäugt.

Exil, Haft und Flucht in die Schweiz

Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 waren viele von Courbets Freunden entweder ins Exil gegangen oder hatten sich dem neuen Regime Kaiser Napoleon III angepasst. Courbet entschied sich anders und machte stattdessen lange Reisen, unter anderem nach Belgien, England, in die Schweiz und nach Deutschland, wo er jahrelang in Frankfurt tätig war. Doch ebenso reiste er in die Normandie, wo er seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von Seebildern und Porträts verdiente.

1870 wurde Courbet der höchste französische Orden, das Kreuz der Ehrenlegion, angeboten, das er jedoch ablehnte. Er wurde stattdessen zum Präsidenten der republikanischen Kunstkommission in der Pariser Kommune, dem revolutionären Rat, gewählt.

Nach deren gewaltsamer Auflösung wurde er der Beteiligung an der Zerstörung der Siegessäule (Colonne de Vendôme) beschuldigt und saß eine Strafe von 500 Francs im Gefängnis ab.

1873 verlangte die neue bürgerliche Regierung allerdings 335.000 Schadenersatz für die Säule. Daher floh Courbet in das Schweizer Jura und anschließend an den Genfer See, wo er in La Tour de Peliz 1877 an Wassersucht starb.

Als seine bekanntesten Werke gelten heute L’Origine du monde, Das Atelier des Künstlers, Die Frau in den Wellen sowie Ein Begräbnis in Ornans.

1 Maxime Du Camp: Les Convulsiones de Paris, 4. Bde., 5. Aufl., Paris 1881, Bd.2, S.189f.