originedumondeDie ehemaligen Besitzer des Gemäldes “Der Ursprung der Welt”

Das in Öl auf Leinwand gemalte Gemälde “Der Ursprung der Welt” von Gustave Courbet hat auf viele unterschiedliche Arten für Aufsehen gesorgt. Die realistische Darstellung des weiblichen Geschlechts, seine Entstehungsgeschichte, den Skandal den das Motiv verursachte und die in den letzten Jahren aufgekommenen Spekulationen, das Bild könnte Teil eines größeren Bildes gewesen sein und “Der Ursprung der Welt” könnte aus diesem schlicht herausgeschnitten sein machen das Bild bis heute zu einem Mythos in der Kunstwelt. Die Tatsache das “Der Ursprung der Welt” schon zu Lebzeiten seines Malers als Wendepunkt in der Geschichte der Malerei galt, aber erst 122 Jahre nach seiner Entstehung erstmals öffentlich ausgestellt wurde macht diesen Mythos noch interessanter. Die Geschichte der Besitzer des Bildes passt zu diesem Mythos.

Der Auftraggeber

Halil Şerif Pascha hat das Bild “Der Ursprung der Welt” bei Gustave Courbet in Auftrag gegeben und war auch der erste Besitzer des Bildes. Halil Şerif Pascha, der unter den Namen Khalil Bey und Halil Bey bekannt war wurde im Jahre 1831 in Ägypten geboren und war Botschafter des Osmanischen Reiches in Sankt Petersburg. Neben der Diplomatie hat sich Halil Şerif Pascha einen Namen als Kunstsammler gemacht und wurde von Théophile Gautier als erster Muslim bezeichnet, der eine Kunstsammlung im westlichen Sinne besaß. Im Gegensatz zu anderen Gemälden und Aktgemälden die er besaß zeigte er aber das Bild “Der Ursprung der Welt” nie öffentlich. Aus finanziellen Gründen, wahrscheinlich wegen des Spielens, trennte er sich auch schon im 1868 – also nach nur 2 Jahren – von seiner Kunstsammlung und somit auch von diesem Gemälde.

Versteckt vor neugierigen Blicken

„Der Ursprung der Welt“ landete später nachweislich beim Antiquitätenhändler Antoine de la Narde, in dessen Galerie das Bild 1889 von französischen Schriftsteller Edmond de Goncourt wieder entdeckt wurde. Inzwischen war das Bild in eine Art dicken Holzrahmen eingebaut der sich nur mit einem Schlüssel öffnen lies und ansonsten ein anderes Gemälde auf der Vorderseite zeigte. Im Jahre 1910 wurde es von der Pariser Galerie Bernheim-Jeune an den ungarischen Kunstsammler Baron Ferenc von Hatvany verkauft, der das Gemälde nach Budapest brachte. Dort verblieb es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, sein Besitzer zeigte es aber auch nicht öffentlich und lagerte es seit 1942 in einem Banktresor in Budapest ein, um es vor den Nationalsozialisten zu schützen. Als im Jahr 1945 die Banktresore durch die russischen Besatzer geöffnet wurden fand „Der Ursprung der Welt“ zunächst seinen Weg auf den Budapester Schwarzmarkt von wo aus es bei einem Händler landete von dem es Baron Ferenc von Hatvany zurückkaufen konnte. Direkt danach lies er es von einem Familienmitglied nach Frankreich schmuggeln wo von Hatvany nun lebte. Er blieb mindestens bis 1949 Eigentümer des Bildes.

Landhausidylle in Frankreich

Im Jahre 1955 wurde das Gemälde nachweislich vom französischen Psychiater und Psychoanalytiker Jacques Lacan gekauft. Der mit der Schauspielerin Sylvia Bataille verheiratete Kunstfreund nutzte „Der Ursprung der Welt“ als Dekoration für sein Landhaus, wo es in einer Holzkonstruktion hinter einem anderen Gemälde das den selben Titel trug versteckt war und ebenfalls nicht öffentlich gezeigt wurde. Nach dem Tod von Jacques Lacan im Jahre 1981 kam es wieder in den Handel und war inzwischen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 1988 wurde es erstmals öffentlich ausgestellt. Das Brooklyn Museum in New York City stellte „Der Ursprung der Welt“ 122 Jahre nach dessen Entstehung unter großem Medieninteresse erstmals der Öffentlichkeit vor. Das Gemälde befindet sich seit 1995 im Museum d’Orsay in Paris.